Rolf Stolz     · · ·     Literatur und Photographie

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TAGEHEFT

ZUM TAGEHEFT
In den Tageheften habe ich seit dem 1. Mai 2011 Tag für Tag festgehalten, was mir wichtig war - in einem oder mehreren Sätzen. Hier im Netz sind diese Texte seit April 2013 erschienen. Das erste Tageheft (2011-2012) ist 2016 als Buch erschienen, das zweite (2013-2014) 2017 (siehe unter BÜCHER).

31. Dezember 2017
Fast immer erinnern wir uns, wenn es zu spät ist, etwas zu tun bzw. tun zu müssen.

30. Dezember 2017
Wer Wilhelm Müller als TEXTER Schumanns bezeichnet, der hält Deutschland für den Wurmfortsatz Kleineuropas.

29. Dezember 2017
Ist das Eliminieren unmoralischer Künstler auf einmal eine moralische Tat? Von denen, die post mortem den armen Oscar Wilde bedauern.

28. Dezember 2017
Warum sollten Künstler besser sein als ihre Zuschauer oder Leser? Sie leben in ihren Werken und teils auch in ihrem Leben aus, was die anderen sich erträumen.

27. Dezember 2017
Um deine Vorurteile über die Toleranz der Künstler zu widerlegen, solltest du einer ihrer aktuellen Geliebten zu nahe treten.

26. Dezember 2017
Immer noch fällt die alte Erde in die Einsamkeit, aber in unseren Nächten zerfällt uns die Welt.

25. Dezember 2017
Wenn eine Kirche ihre Vertreter vom Schöpfungsmythos plappern läßt, kann sie den Liquidator bestellen.

24. Dezember 2017
Es ist kaum möglich, sicher anzugeben, was jemand IST. Leicht läßt sich bestimmen, was er sein will.

23. Dezember 2017
NUR ICH kann jeder von uns mit gutem Gewissen und klarem Verstand nur wenige Male in seinem Leben sagen, ebenso AUCH ICH. Selten ist, wenn einer letzteres von sich gibt, er anderes als eines der dümmsten Schafe aus der Herde.

22. Dezember 2017
Sexualität verhandeln heißt sie ersticken.

21. Dezember 2017
Immer dieser Ablauf: 1935 schien es Adolf H. geradezu unmöglich, vor Gericht gestellt zu werden. 1945 war er sich sicher, daß es dazu kommen werde und floh aus der oberen in die untere Welt. Vielleicht muß man nur ein Jahrzehnt warten.

20. Dezember 2017
Welche Erklärung unseres Verhaltens wäre nicht eine Ausrede, wo doch stets ein Dutzend möglicher anderer Gründe hinaus- und fortgeredet wird.

19. Dezember 2017
Der Wissenschaft kann man nicht glauben, man kann nicht an die Wissenschaft glauben, denn Glauben bedeutet ein denkendes Fühlen ohne Beweise und ohne Fragen nach Beweisen. Die Wissenschaft dagegen ist ein ununterbrochenes Fragen auf der Suche nach Beweisen.

18. Dezember 2017
Die armen Ritter scheitern nicht an ihrer Armut, sondern an denen, die vielleicht nicht mehr haben als sie, aber etwas zu sein glauben. Der Glaube an das Höhere und, scharf davon getrennt, der Glaube höher zu sein. Uns muß es genügen, hoch genug zu sein, um das Vergleichen zu verneinen.

17. Dezember 2017
Wortreichtum: Wiege die Worte. Wenig Gold oder viel Katzengold.

16. Dezember 2017
Er hinterließ mehr Fragen als Antworten. Besser gesagt: Gott sei Dank hinterließ er nur Fragen.

15. Dezember 2017
Du bist unglücklich hier? Geh! Es ist deine Pflicht zu gehen, denn was macht den Unterschied aus, wenn du nicht zurückkommst.

14. Dezember 2017
Du hast eine zweite Seite an dir entdeckt? Bravo! Vielleicht wirst du doch noch vorstoßen zu der dritten und vierten und . . .

13. Dezember 2017
Wir leben vom Spott, aber wir sterben als Spötter.

12. Dezember 2017
Mehr als eins in einem Augenblick nicht tun zu können, aber wechseln zu können zwischen Augenblicken, als seien es schöne Frauen für jetzt und für immer und ohne Streit.

11. Dezember 2017
Etwas gewesen zu sein, ist traurig. Aber es ist genug, dir selbst und einigen wenigen anderen etwas gewesen zu sein.

10. Dezember 2017
Die Toten sind tot, die Verbrechen geschahen. Aber erst, wenn die Deutschen – es geht immer um die Menschen auf der Straße - die Juden zurückgerufen haben, die Türken die Armenier und Griechen, die Polen und Tschechen die Deutschen – erst dann werden die Nationen des Mordes und der Vertreibungen Frieden finden.

9. Dezember 2017
Nur das Gewicht und die Bedeutungsschwere der Worte machen aus einem Satz ein ganzes Buch.

8. Dezember 2017
Wir alle haben doch dieses Bild in uns, als wir auf dem Gipfel waren, vor den Abstürzen und dem bitteren Weg zu sich zurück.

7. Dezember 2017
Das Aristokratische hat als Gegensatz nicht so sehr das Pöbelhafte, sondern das Höfische mit seinem Zeremoniell, seinen Kulissenkämpfen und seinem Unterwerfungsgeheuchel. Frei auszuschreiten durch die Felder und ihren Schlamm, frei sich umwenden in das abgedrängte Gelände und die Verworfenheit zu überschreiten – das ist der hohe Weg, der keiner Überhöhung und Hochstapelei bedarf.

6. Dezember 2017
Wir stehen auf unserem Boden, der zu uns gehört, ohne daß wir ihn je besitzen könnten. Die Illusion, wir könnten über ihm schweben, hilft uns nicht weiter und hindert uns lediglich, fest zu stehen und zu widerstehen.

5. Dezember 2017
Du kannst alle Bindungen lösen, die dich von außen erreichen.

4. Dezember 2017
Nicht einmal im Tod kommen wir mit uns über uns heraus.

3. Dezember 2017
Wenn du nicht dürftig bist, warum sollte die Zeit, in der du auftrittst, dürftig sein?

2. Dezember 2017
Den Rückgang der Wellenhöhe als Anzeichen für den beginnenden Aufschwung sehen.

1. Dezember 2017
Was verteidigen wir? Immer nur einen Rest.


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