Rolf Stolz     · · ·     Literatur und Photographie

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Ernst-Wilhelm Händler und die Zukunft der Literatur

Ernst-Wilhelm Händler hat in der „FAZ“ vom 3. 8. 2019 (S. 16) unter dem Titel „Die Zukunft ist nur noch verlängerte Gegenwart. Warum die Literatur in einer von Algorithmen determinierten Welt ihren Kunstwillen opfert“ sieben „Thesen zur Autorschaft heute“ vorgelegt. Auch wenn seine eher statuarische, um nicht zu sagen statutenhafte Argumentation nicht unmittelbar zum kritischen Dialog auffordert, scheint mir doch der Versuch einer teils zuspitzenden, teils korrigierenden Antwort sinnvoll. EWH konstatiert einen zunehmenden gesellschaftlichen Differenzierungsprozeß, der eine Neupositionierung auch der Wertesysteme verlangt. Das trifft zu, aber es ist ein halbe Wahrheit, denn die schon von Karl Marx beschriebene Reduktion mittelalterlicher Komplexität (die Zünfte, die Adelshierarchien usw.) bildet den Gegenpol dazu: Die modernen Gewerbetreibenden aller Sektoren unterscheiden sich allenfalls darin, ob sie erfolgreich eine profitable Nische besetzen oder dies nicht tun und deshalb bald verschwunden sein werden. Gegenläufig zu den diversen Subkulturen gibt es eine zunehmende Vereinfachung der Vermögensverteilung im Sinne von Haben einerseits und Nicht-Haben andererseits.
Immer schon gab es Literaten, die keine Künstler sein wollten, und andere, die ohne Rücksicht auf das Publikum Kunst um der Kunst willen zu schaffen versuchten. Welche der beiden Gruppen ist für EWH „die Literatur“, die angeblich „ihren Kunstwillen opfert“? Die Konstellation für die erfolgreichen oder doch um jeden Preis den Erfolg suchenden Autoren beschreibt er zutreffend: Bestseller und Möchtegern-Bestseller müssen sich behaupten im Wettstreit mit neuen nichtliterarischen Konkurrenten (sozialen Netzen, Serien, Werbung, Computerspielen usw.). Andererseits geistern zumindest Werbung und Film schon lange durch literarische Werke, bilden etwa bei „Rebecca“ seit 1940 das du-Maurier-Buch und der Hitchcock-Film eine untrennbare „Wirkungseinheit“ (Wilhelm Salber).
EWH sieht modische Bezüge, Skandale und Moral als Mittel für den Erfolg schlechter Literatur, da diese so Leserschaft hinter sich einen kann. Aber all dies ist auch bei einigen exzellenten Werken und Autoren zu finden. Goethes moralingeschwängerter „Werther“ war so extrem modisch und zeitaffin, daß er eine europaweite Tränen- und Selbstmordwelle auslöste. Brechts Theaterskandale machten seine Stücke weder besser noch schlechter. Der abgründig amoralische Wilhelm Busch und der zutiefst moralische Wilhelm Raabe sind in ihrer Epoche Antipoden, aber groß sind sie beide. Andererseits ist es als Blickpunktwechsel durchaus interessant, nach Kriterien für schlechte Literatur zu fragen, nur liefert es wenig an Erkenntnis für gute Literatur. Für diese dekretiert EWH: „Es ist sinnlos, eine generelle Definition für qualitätsvolle literarische Erzeugnisse zu geben. Zeitübergreifende Qualitätsmaßstäbe für gute Literatur existieren nicht. Alle diesbezüglichen Versuche erweisen sich früher oder später als zeitgebunden.“ Nun ist unbezweifelbar, daß selbst in der Beurteilung klassischer oder antiker Literatur keine hundertprozentige Übereinstimmung erreichbar ist und daß es im Generationenwechsel Verschiebungen gibt. Ein Frankfurter Autor mittlerer Bedeutung kann Kleist als Langeweiler abtun, ein anderer Goethe als Fürstenknecht, Frauenausnutzer und Hundefeind verabscheuen – von Abschußorgien gegen politisch Mißliebige wie George, Weinheber, Ernst Jünger ganz zu schweigen. Aber das sind Randerscheinungen, denn es gibt trotz allem einen Konsens unter den Gebildeten, den Lese- und Lernwilligen, daß Autoren wie die Manns, Hesse oder Musil Bedeutung besitzen für die deutsche Literatur. Wer wie ich bei Thomas Mann nach den „Buddenbrooks“ Stillstand und Abstieg sieht, wer wie ich H. H. Jahnns gewaltige und gewaltsame Epen dem „Mann ohne Eigenschaften“ vorzieht, der wird gleichwohl weder Musil noch Mann als Nullitäten behandeln. Auch die „Zweite Liga“ der Ina Seidel, Isolde Kurz, E. M. Remarque usw. wird kein einigermaßen Zurechnungsfähiger herabstufen auf das Kreisklassenniveau der Marlitt, Simmel und Konsalik.
Wegen der Einflüsse des Zeitbedingten alle Maßstäbe für gute Literatur über Bord zu werfen, schüttet das Kind mit dem Bade aus. Auf das Vordringen der modebesessenen Kulturindustrie, auf den Aufstieg der bürgerlichen Profitwirtschaft, auf das Vordringen geistfeindlich-nihilistischer Radikalaufklärung reagiert seit der Romantik eine Gegenwehr der Dichter. Hölderlins „An das Göttliche glauben / Die allein, die es selber sind“, Eichendorffs „Der Dichter kann nicht mit verarmen; /Wenn Alles um ihn her zerfällt, / Hebt ihn ein göttliches Erbarmen – / Der Dichter ist das Herz der Welt“ gehören in einen internationalen Kontext verschiedenster Varianten der Kunst um der Kunst willen, des rücksichtslosen Kontrapunkts gegen eine Vernutzung der Literatur für das alltäglich Verwendbare.
Daß die literarische Avantgarde seit langem in der Krise ist und stagniert, ist altbekannt. Ob es auf diesem Weg erneut statt Nachhall und Fußnoten Neues und Unerhörtes geben wird, läßt sich durch Prophezeiungen und Spekulationen nicht klären, sondern wird allein dadurch entschieden werden, ob solche Werke in den nächsten Jahrzehnten auftauchen. Ähnlich fragwürdig ist der Versuch, Takis Würger mit seinem „Stella“-Roman zu einem Beweis dafür zu stilisieren, daß schlechte Literatur den Skandal sucht und durch ihn Erfolg hat, obwohl angeblich „der passionierte Leser“ entsetzt und „die Literaturkritik in der Ablehnung vereint ist“. Wer ins Netz schaut, findet hier keineswegs die dogmatisch behauptete Eindeutigkeit des Urteils.
Zutreffend beschreibt EWH, wie die Digitalisierung und Algorithmisierung es den Autoren erschwert, die Balance zwischen ihrer eigenen Schreibweise und der Aufnahme fremder Prägungen durch die Datenmengen der digitalen Welt zu halten. Aber dieses Problem ist letztlich nur eine aktuelle Variante eines ewigen Problems der Literatur: Authentizität im Übermaß erzeugt eine abseitige Unverständlichkeit, während eine authentizitätsfreie Objektivität den Leser kalt läßt und langweilt. Schon vor der Heraufkunft der Digitalsysteme haben im zwanzigsten Jahrhundert die großen Dystopien beschrieben, wie der Einzelne seines geistigen Eigentums und seiner persönlichen Freiheit beraubt wird. Wir Heutige bewegen uns - zunehmend pessimistischer - in diesen Bahnen, wir erweitern und vertiefen sie lediglich durch neue Inhalte wie die Gentechnologie oder die Gesichtserkennung. Daß wir anders als die Altvorderen unsere Werke weder mit dem Federkiel noch mit der mechanischen Schreibmaschine festhalten, ist nur von zweitrangiger Bedeutung. Es geht noch immer darum, aus dem eigenen Leben, den eigenen Träumen und Verknüpfungen eine Literatur zu destillieren, die in einer Spiegelscherbe ein Stück Welt glaubwürdig und bewegend zurückwirft. Dies ist nicht durch einen künstlich intelligenten Sprachroboter zu ersetzen. Allerdings werden solche Gerätschaften zunehmend Bereiche okkupieren, in denen wie bei Sportreportagen oder Parlamentsdebatten große Teile des Publikums lediglich eine un- und überpersönliche Darstellung von Sachverhalten und eine Wiederkehr des Gleichen bis Ähnlichen erwarten. Aber damit nehmen sie der Literatur nichts, sondern lediglich manchen Literaten manche Einkommensquellen. Wenn Perry-Rhodan-Hefte nicht mehr von skurrilen Egomanen wie Peter Terrid (1949-1998) geschrieben werden, sondern von der EDV-Anlage, werden wohl nur die wenigen es bemerken, die dem Autor begegnen durften und Querverbindungen zu dessen Person herstellen können. In Zukunft wird Epigonales nicht von Epigonen geschrieben, sondern stammt aus dem Fundus der Maschinen.
Zu Recht sieht EWH eine Zunahme standardisierter Sprachmuster und emotionsfreier kognitiver Routinen durch automatisierte Sprachverarbeitung und künstliche Intelligenz und einen teils ideologisch verklärten Verzicht auf Stil. Hier ist ein Partisanen-Widerstand der Autoren gefragt – gegen ein Dumm-Denglisch, in dem vom Dorflehrer bis zum Papst jeder seinen „Job“ machen soll, gegen das Polit- und Managergefasel von „gut aufgestellt“ bis „Zivilgesellschaft“.
EWH schreibt am Beginn seiner fünften These: „Kunst und Kultur haben kein Privileg mehr für Fiktion.“ Er begründet dies u. a. mit wissenschaftlichen Erkenntnissen der Quantenmechanik und Kosmologie, verzichtet aber dankenswerterweise darauf, Prophezeiungen aufzustellen über die konkreten Konsequenzen für die Literatur. Auch wenn es fraglich ist, ob dieses Fiktionsprivileg je bestand (man denke nur an die Märchenerzähler und –erfinder in den Spinnstuben, an die religiösen Visionäre und Phantasten) – Fakt ist, daß ein Zusammenführen von Literatur und Naturwissenschaften, wie es schon vor fünfzig Jahren der zu Unrecht vergessene Erzähler und Essayist Heinrich Schirmbeck (1915-2005) versucht hat, eine ebenso große wie lohnende Aufgabe für Autoren ist.
EWH sieht den Kunstwillen und den Stil als prägende Elemente für die deutsche Literatur in der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts. Das hat manches für sich, sagt aber angesichts der Vielfalt programmatisch-stilistischer Ansätze bei zwei bis drei Dutzend nicht ganz bedeutungsloser Autoren relativ wenig aus. Erst recht fragwürdig wird die Aussage, wenn die abschließende siebte These postuliert: „Die Neuordnung des Zusammenspiels der Dimensionen Bezug zur Außenwelt, Bezug zu anderer Literatur, Bezug zu eigener Erfahrung und Stil macht es unwahrscheinlich, dass der Stil noch einmal eine Dominanz wie in der Vergangenheit ausübt. Es erscheint nicht aussichtsreich, den Begriff des Kunstwillens mit einem anderen Element als demjenigen des Stils zu verbinden. Der Begriff des Kunstwillens scheint deshalb für die Literatur obsolet zu werden. Die Behandlung von Qualitätsmaßstäben für Literatur kann dann nicht mehr auf den Begriff des Kunstwillens rekurrieren.“ Statt mit Wahrscheinlichkeiten zu jonglieren und über ein dauerhaftes Veralten einer momentan unmodischen Haltung zu spekulieren, wäre es hier besser, EWH würde seine persönlichen Wünsche an die Literatur präzisieren. Um dies für meine Person zu tun: Nach über dreißig Büchern, teils in großen, meist in kleinen Verlagen, manchmal gut honoriert, oft genug nur bescheiden dotiert, kann ich als nicht brotloser, aber dennoch unterbezahlter Wortkünstler nur sagen, daß ich mit aller Entschlossenheit (meinetwegen auch mit „Kunstwillen“) festhalte an der Passion, in meinem Stil (in welchem sonst?) der stets unerreichbaren Vollkommenheit von Aussage und Form näher zu kommen.

Sehr geehrter Herr Stolz,  

vielen Dank für Ihr Angebot einer Antwort auf die Thesen von Ernst Wilhelm Händler. Ich muß aber sagen, daß sie mich bei Lektüre  nicht genügend interessiert hat, als daß ich den derzeit knappen Platz im Feuilleton dafür in Anspruch nehmen möchte. Dafür bitte ich um Verständnis.  

Mit freundlichen Grüßen,  
Andreas Platthaus
Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH Hellerhofstraße 2-4 ·  60327 Frankfurt am Main
08.08.2019 um 14:31 Uhr
 


Rolf Stolz: Die Kultur-Utopie Europa (Essay)

NEU ERSCHIENEN:

Nach mehr als zwei Dutzend Büchern aus der Feder von Rolf Stolz in knapp dreißig Jahren wurde es Zeit für eine WERKE-Ausgabe. In der Edition Bärenklau, einem Brandenburger Verlag, sind 2018 die ersten drei Bände herausgekommen: Band 1 mit kurzer Prosa, die Bände 2 und 4 mit Lyrik. 2019 folgten der Band 5 mit Gedichten und der Band 8 mit zwei Romanen.


WOLFSSEKUNDEN. Kurze Prosa 1995-2010. WERKE Band 1
mit einem Nachwort von Nikolaus Gatter
(367 Seiten, fester Einband, 22 x 17 cm, 24,90 €, ISBN 9783746092430). Zwischen Traumphantasien, (auto)biographischen Fragmenten, Kurzkrimis, Parodien, Historien und Legenden bewegen sich diese Texte durch Zeit und Raum. „WOLFSSEKUNDEN ist nach DER UNVERMINDERTE SCHRECKEN, 1991 bei Dipa in Frankfurt am Main, DER ABSCHIEDNEHMER, 2003 im Verlag Freiburger Echo in Freiburg im Breisgau, und GWALT, 2010 im KIDEMUS Verlag Köln, mein vierter erzählender und prosaischer Band. Es sind einfache Geschichten über Menschen und ihre Schicksale, meist zwischen 1900 und 1999, zwischen Deutschland und der Nirgendwo-Welt angesiedelt.“

siehe die Rezension in:
"Sprachnachrichten" Nr. 80 (IV/2018), S. 28.


FLÄCHEN, BILDER. Gedichte 1998-2013. Werke Band 2

(407 Seiten, fester Einband, Lesebändchen, 22 x 17 cm, 24,90 €, ISBN 9783744888950).
Die Gedichte schlagen einen großen Bogen von kleinen Lebensgeschichten zur großen Historie, von der Satire zur Elegie, vom Sprachtanz zum Spiel mit den zwölf Sternzeichen.

Der Germanist Ángel Repáraz, Madrid, in seinem Vorwort:
„Der vorliegende Band ist strukturiert worden, so der Eindruck eines etwas naiven Lesers, von den langsam strömenden Lawinen der Zeit. Es gibt kurze Gedichte, die an Stoßgebete erinnern, und viele andere, die auf langen, teilweise rhythmischen Zeilen reiten. Verfaßt buchstäblich in ganz Europa: Auf einer und derselben Seite findet sich ein in Bukarest und ein zweites auf dem Lido von Venedig datiertes Gedicht . . . Besonders hervorzuheben sind die Liebesgedichte, in denen die kosmische Seltenheit, die unter dem Namen gelungener Liebe segelt, gefeiert wird.“


UNWAGBARKEITEN. Gedichte 1975-1980, 2011-2016. Werke Band 4
(379 Seiten, fester Einband, 22 x 17 cm, 24,90 €, ISBN 9783752809565).
Die Gedichte bewegen sich durch die Orte und Zeiten – von Rumänien bis Ostpreußen und irgendwo, zwischen Krieg und Frieden und Liebe.

Klaus-Peter Böttger, Direktor der Stadtbibliothek Essen, in seinem Vorwort:
„Identifizierungsprobleme hat nicht, wer sich in die Atmosphäre des elsässischen Weinortes Molsheim hineinzuversetzen weiss, respektive sich an den Aufenthalt im cloppenburgischen Elisabethfehn und dessen landschaftliche Eiszeitreste erinnert, in das Loblied auf Jever einstimmen kann, in der Lage ist, sich an einen Schweizer Bergsee zu denken. …

Sich erinnern, der Vergänglichkeit der Zeit bewusst werden – das sind immer wieder auftauchende Motive, die teils in düstere Sprache gepackt und mit Ernsthaftigkeit versehen Leser im Innern zu Umwälzungen, zumindest zu Anstößen verführen sollen. Das tiefe Gefühl für den Augenblick, für das Kommende hinterlässt Gänsehaut …“



RANDANZEIGEN. Gedichte 1966 – 1975. Werke Band 5
(333 Seiten, fester Einband, 22 x 17 cm, 24,90 €, ISBN 978741255434.

Thomas Hillenbrand (Münsingen), Maler und Autor, in seinem Vorwort:
„Das Werk von Rolf Stolz enthält all dies: Sowohl das spielerische Element als auch das dunkle tiefgründige. Das freie Assoziieren sowohl wie das Bestimmte. Und so gleicht die Reise durch die Sammlung einer wirklichen abenteuerlichen Fahrt mit unerwarteten Aussichten, Begegnungen und auch wieder beruhigenden Ebenen. Sie führt durch Blitz und Donner bis hin zur Rast unter dem nächtlichen Sternenhimmel in fernen rätselhaften Landschaften.“


DIE RETTBAREN. Romane Zwei. Werke Band 8
(355 Seiten, fester Einband, 22 x 17 cm, 24,90 €, ISBN 978741290190)

Der Band enthält zwei in sich abgeschlossene Werke: MANNHEIM: FRONTKÄMPFER, den im Deutschland der neunziger Jahre spielenden dritten Band der Roman-Trilogie MÜNCHHAUSEN, und DAS BLUTMEER, DIE TREPPE AUS GLAS, einen historisch-phantastischen Roman aus dem Spanien der Konquistadoren.

Franz Heinz (Düsseldorf), Autor und Kulturjournalist, in seinem Vorwort::
„Es sind Durchschnittsversager, die uns begegnen und, unterwegs zur vermeintlichen Selbstverwirklichung, festgefahren sind. Irrläufer, die nicht irgendwo ankommen, sondern schlichtweg durchkommen wollen im brutalen Alltag und seinen Verwerfungen. Jeder für sich selbst und allein. … Es ist, wenn man so will, eine neue Donquichotterie, die uns Rolf Stolz zumutet in einer Zeit, in der unser Blick wieder ins Kosmische gerichtet ist, die Erde schrumpfen läßt und die Nähe zu Gott neu zu vermessen sich nicht scheut. Wir sind unentwegt auf der Suche im Nichts, und sind doch immer nur auf der Suche nach uns selbst. Sie wird uns bereichern oder vernichten - nichts aber wird uns aufzuhalten in der Lage sein.“


SPRUNGZEITEN. ESSAYS ZUR LITERATUR UND KUNST
EDITION BÄRENKLAU, Bärenklau 2017, fester Einband, 148 S., ISBN 978 374 318 0727; 16,90 €


Sieben Jahre nach dem Band Nur Kunst. Essays zu Kunst und Kultur (Norderstedt 2009) kommt hier eine neue Sammlung teils unveröffentlichter, teils in Büchern, Zeitungen und Zeitschriften erschienener Analysen, Deutungen und Interventionen zur Literatur und zur Malerei heraus. Exemplarisch in seiner Kritik an der Barbarei des Maximalprofits ist der hier dokumentierte Aufsatz Öffentliche Armut, Verarmung der Kunst und Kultur in einem reichen Land.

Lebende Autoren und Maler stehen in dieser Ausgabe im Mittelpunkt (Dinu D. Amzar, Marcel Beyer, Franz Heinz, Herbert-Werner Mühlroth, Arundhati Roy, SAID, Hellmut Seiler, Richard Wagner u. a.). Andererseits ist auch die Literaturgeschichte mit Gottfried Benn, Paulus Buscher, Kafka (Franz Kafka, tschechischer Klassiker), Gertrud Kolmar, Otto zur Linde, Friedrich Rückert präsent. Nicht zuletzt wird Heinrich Schirmbeck, mit dem der Autor das letzte Vierteljahrhundert eines langen Lebens befreundet war, erneut thematisiert. (Ergebnis dieser Verbindung war die 1995 von R. Stolz herausgegebene zweibändige Ausgabe und sein Schirmbeck-Lesebuch von 2014.)


TAGEHEFTE

In den Tageheften hat Rolf Stolz seit dem 1. Mai 2011 Tag für Tag festgehalten, was ihm wichtig war - in einem oder mehreren Sätzen. Am 6. April 2013 begann ihre Veröffentlichung im Netz auf der Seite www.rolfstolz.de. Der erste Band ist 2016 im KIDEMUS Verlag Köln erschienen (ISBN 9783981577914), der Neudruck erscheint in Kürze in der Edition Bärenklau. Er umfaßt die Texte vom 1. 5. 2011 bis zum 31. 12. 2012. Die Bände Zwei (2013-2014), Drei (2015-2016) und Vier (2017-2018) erschienen in der Edition Bärenklau.
Es geht weder um ein „Wort zum Tage“, also um eine nachvollziehbare zeitweilige Aktualität, noch ausschließlich um Belehrungen jenseits von Zeit und Raum, sondern um Spiegelungen, Durchblicke und Irrlichter aus einer Welt in Scherben.

Dr. Ilina Gregori, Literaturwissenschaftlerin: "Die ausgewählten Texte von Rolf Stolz lesen sich wie mit im Gehirn angezündeten Lichtern und mit dem Gefühl, daß Stolz in der Tat etwas zu sagen hat, und zwar denjenigen, äußerst seltenen Individuen, die mit Hartnäckigkeit sie selbst geblieben sind."

TAGEHEFTE. Heft Vier
(1. Januar 2017 – 31. Dezember 2018)

EDITION BÄRENKLAU, Bärenklau 2019, fester Einband, 154 S., ISBN ISBN 978 3749409006; 16,90 €



TAGEHEFTE. Heft Drei
(1. Januar 2015 – 31. Dezember 2016)

EDITION BÄRENKLAU, Bärenklau 2018, fester Einband, 168 S., ISBN 978 3746057439; 16,90 €


TAGEHEFTE. Heft Zwei
(1. Januar 2013 – 31. Dezember 2014)

EDITION BÄRENKLAU, Bärenklau 2017, fester Einband, 168 S., ISBN 978 3741256363; 16,90 €

TAGEHEFTE Heft Eins
KIDEMUS Verlag Köln 2016, fester Einband, 124 Seiten, ISBN 978-3-9815779-1-4, 15 €



Aus dem Vorwort zu Heft 1:
In den TAGEHEFTEN habe ich seit dem 1. Mai 2011 Tag für Tag festgehalten, was mir wichtig war – in einem oder mehreren Sätzen. Seit April 2013 habe ich monatlich die neuen Eintragungen auf meiner Netzseite www.rolfstolz.de veröffentlicht. Auch diese Texte werden in Buchform erscheinen. Mir ging es weder um ein „Wort zum Tage“, also um eine nachvollziehbare zeitweilige Aktualität, noch ausschließlich um Belehrungen jenseits von Zeit und Raum. Der Leser wird nicht nur handverlesene geschliffene oder rohe Diamanten vorfinden, sondern in der Aufreihung die verschiedensten Edelsteine, Halbedelsteine, buntes Glas und Flußkiesel. Ohne diese Mischung, ohne offene und verborgene Wechsel wäre in den Worten kein Leben.



LESEBUCH OTTO ZUR LINDE

Otto zur Linde, 1873 in Essen geboren, 1938 in Berlin gestorben, ist ein großer und großartiger Dichter, der völlig zu Unrecht jahrzehntelang völlig vergessen war. Seine an Heine und Busch geschulten satirischen Verse, seine erschütternden Kriegsgedichte, seine Beschwörungen der Großstadtwirklichkeit zeigen Klangfülle und realistische Wahrhaftigkeit. Über dreißig Jahre lang erschien keine einzige Auswahl seiner Texte, ehe 2016 das „Lesebuch Otto zur Linde“ im Bielefelder Aisthesis-Verlag herauskam Der Vater des Dichters – Lehrer, Soldat, Dreher, später Buchhalter bei Krupp, ehe er in Gelsenkirchen einen Lebensmittelladen mit einem Restaurant eröffnete – war aus dem Nordhessischen nach Essen gekommen, die Mutter starb früh. Nach einem Studium in Berlin, Halle und Freiburg lebte Otto zur Linde einige Jahre als freier Schriftsteller in London, ehe er 1902 mit seiner Frau Verena nach Berlin zurückkehrte. 1904 gründete er dort mit Rudolf Pannwitz den Charon-Kreis und die Zeitschrift „Charon“, die bis 1914 und 1920-1922 erschien. Im Alter erblindete er und versank in Depressionen.   Otto zur Linde ging es um eine radikale Erneuerung der Form, anfangs in Auseinandersetzung mit dem Naturalismus, wenig später in Vorwegnahme von vielem, was den literarischen Expressionismus und Surrealismus ausmachte.
„In Otto zur Linde besitzt die deutsche Dichtung einen rhapsodischen Sänger seltener Art.  … Sein Humor flackert in gefährlicher Weißglut. An den Wurzeln des Raums gelagert, ist er lauschendes Ohr kreisender Zeit. Kein Bringer heiterer Welt-Freude in einem verherrlichten Kosmos – aber gewiß ein Fackelträger Jenen, die mit Pascal  ,unter Seufzen suchen‘“. Alfred Mombert (1872-1942, Dichter, 1933 aus der Preußischen Akademie der Künste ausgeschlossen, 1940-1941 deportiert).

Lesebuch Otto zur Linde

  LESEBUCH OTTO ZUR LINDE, zusammengestellt und mit einem Nachwort von Rolf Stolz, Aisthesis Verlag Bielefeld 2016, 152 S., ISBN 978-3-8498-1171-6, 8,50 €


MÜNCHHAUSEN Roman-Trilogie

Unerlöste Manchmal-Helden - Männer und Frauen am Ende des zwanzigsten Jahrhunderts - versuchen in diesen drei Romanen auf imaginären Kugeln oder an selbstverdrehten Spinnenfäden ihrem Schicksal zu entkommen und sich am eigenen Zopf aus dem Sumpf zu ziehen.

Der entlaufene Professor Jean-Pierre Mihiel in Mittelamerika, die recht- oder unrechtmäßig gestellte Mordverdächtige Eva Ebner, der selbstgemachte Hilfskommissar Raith gehören allesamt zur Familie der halben Sieger. Die drei Romane erzählen drei abgeschlossene Geschichten und dreimal eine einzige Geschichte – vom Aufbruch in eine heikle Tour über den Absturz in die vielleicht ewige Gefangenschaft bis zum finalen Zusammenstoß. Einem Reise-Roman folgen zwei Kriminal-Romane: reich an Fluchten vor sich selbst und anderen, an Jagd und verzweifelten Verbrechen – ganz so, wie wir nicht sein wollen, aber wie wir sind.

DER GAST DES GOUVERNEURS IN DER WAND DES KRATERS, Roman, Band 1 der MÜNCHHAUSEN-TRILOGIE, Ferge Verlag Tübingen 2015, 255 S., ISBN 9781516849789, 9,96 €.

SCHWESTER SCHWESTER BRUDER, Roman, Band 2 der MÜNCHHAUSEN-TRILOGIE, Ferge Verlag Tübingen 2015, 245 S., ISBN 9781516913572, 8,99 €.

MANNHEIM: FRONTKÄMPFER, Roman, Band 3 der MÜNCHHAUSEN-TRILOGIE, Ferge Verlag Tübingen 2015, 183 S., ISBN 9781516907168, 8,94 €.

DER GAST DES GOUVERNEURS IN DER WAND DES KRATERS
Jean-Pierre Mihiel, JPM, ein französischer Professor aus Paris mit Wurzeln in Algerien, verläßt Ende 1979 seine Familie und seine Karriere – auf Zeit oder auf Dauer bleibt offen. Er reist durch Mittelamerika und begegnet dort der Belgierin Katrin, die ihn bald wieder verläßt, und wenig später der Schweizerin Do, die er verlassen wird, als ihre Vorgängerin wieder auftaucht. Auf der Reise vom noch halbkolonialen Belize durch Guatemala, El Salvador und Nikaragua nach Costa Rica stolpert dieser naive Fremdling durch lebensgefährliche Abenteuer, durch indianische und koloniale Ruinen, durch Revolutionsszenerien, die ganz anders sind als die Utopien der europäischen Linken. Diese lange Reise aus der rosaroten Morgendämmerung in die Nacht endet am Vulkan Irazù in Costa Rica, in der Wand des Kraters. Dies ist ein Roman über eine ganze westeuropäische Generation – über die Nachkriegskinder, die sich 1968 erhoben und Jahre später abdrifteten in Resignation, private Räusche und Selbstversorgung. Es ist ein Roman über die Traveller in ihrer großen Zeit, ehe die im Weltnetz gefangenen Touristenhorden sie ablösten. Es ist ein Roman über eine kolonialisierte Weltregion in einer Umbruchsepoche voller Unterdrückung, Begeisterung und Hoffnung. Es ist ein Roman über flüchtige Flüchtlinge, die ihre Heimaten verloren haben und sie loswerden wollen, über Männer und Frauen in ihrer ziellosen Suche nach Ausreden und Auswegen. Von seinen Leitmotiven her und weil er in einer bewegten Zeit spielt, durch die unheldische Helden voller verrückter Hoffnungen und voller Widersprüche treiben, kann dieser Roman nicht die Erwartung erfüllen, einfache Antworten in einfacher Sprache zu erhalten. Er ist ein riskantes Experiment jenseits der gewohnten Wege der Reiseberichte und der linearen Lebensbeschreibungen.
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SCHWESTER SCHWESTER BRUDER
Deutschland in den achtziger Jahren: Mitten ins Herz trifft einen Jäger auf seinem Hochsitz der tödliche Schuß. Wenig später werden seine Frau und deren Schwester verhaftet und als Mörderinnen zu Lebenslänglich verurteilt. Daraus werden für beide 15 Jahre Haft. Die Frau des Toten bekennt sich schuldig, was ihr Vorteile einbringt. Ihre Schwester – die Heldin des Romans, eine unverheiratete Personaldirektorin mit zwei Kindern von zwei Männern – leugnet ihre Schuld. Und da ist noch der Bruder der beiden, ein guter Schütze, der nur als Belastungszeuge gehört wird. Ein Buch der Zusammenstöße zwischen Arm und Reich, Oben und Unten, Wahrheit und Lügen – zwischen Chefetage, Knastmilieu und Familienkriegen.
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MANNHEIM: FRONTKÄMPFER
Raith – als Privatdetektiv, Vermögensberater, Versicherungsvertreter und in manchen anderen zweifelhaften Geschäften tätig gewesen, ein Mann mit der einen oder anderen Leiche im Keller – begegnet in einem Mannheimer Orient-Imbiß zwei ihm unbekannten Türken. Einer der beiden faßt mit den Worten „Der Gürtel ist verdreht, um 90 Grad“ an Raiths Wende- und Geldgürtel. Anscheinend erwartet er eine bestimmte Reaktion. Raith vermutet, daß die Frage eine Art Codewort (womöglich im Drogenhandel) ist. Er sieht zu, daß er wegkommt, obwohl eine junge Türkin, die in dem Imbiß arbeitet und die ihm auf den ersten Blick gefallen hat, ihn aufzuhalten versucht. In einer Mischung aus Naivität, Selbstüberschätzung und Abenteuerlust macht er sich daran, auf eigene Faust diesen Fall aufzurollen. Es gelingt ihm, ein Abhörgerät ins Autoradio der Türken zu praktizieren. Aber dieser selbsternannte Jäger ist bald schon selbst der Gejagte …
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